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  • Chantal Salzmann

Die wertvolle Zeit mit alten Hunden

Aktualisiert: 23. Apr. 2023

Als ich neulich meine Hündin beim Spazieren beobachtete, habe ich über die letzten 10 Jahre nachgedacht. Wie schnell diese Zeit doch vergangen ist.


Früher konnten wir bei Wind und Wetter stundenlange Wanderungen unternehmen, sie war fast unermüdlich. Sie konnte ohne Probleme eine Stunde lang mit ihrem Hundekumpel spielen und herumtoben. Wurden sie müde, ging das Spiel eben im Liegen weiter. In unseren Spaziergängen war sehr viel Dynamik drin, es wurde gespielt, mit dem Futterbeutel gearbeitet, über Wiesen geflitzt und Wald-Agility betrieben. Unsere Spaziergänge machten einfach Spass. Und nun lief ich neben meinem ehemaligen Wirbelwind her, der nun eher einer leichten Biese gleicht.


Das Leben mit einem alten Hund kann so schön sein! Wir sind nun ganz anders unterwegs. Ich kenne meine Hündin in und auswendig, ich kann ihr vertrauen, ich weiss, was sie gerne mag und gerne tut und welche Situationen für sie schwierig sind. Das beruht allerdings auch auf Gegenseitigkeit. Ellie kennt auch mich in und auswendig und vertraut mir blind. Dieses Vertrauen und diese enge Bindung war allerdings auch harte Arbeit. Arbeit, die sich jedoch mehr als gelohnt hat.


Alle wollen immer einen Welpen, was ich durchaus auch verstehen kann! Aber wisst ihr was? Ich geniesse die Zeit mit meiner Hündin jetzt viel mehr, als wo sie noch ein Welpe war. Ich habe kein hektisches an der Leine ziehen mehr, ich kann mich darauf verlassen, dass mir mein Hund folgt, ohne, dass ich ständig schauen muss, wo er gerade ist und was er gerade tut. Ich kann mein Leben mit ihr geniessen, denn die Erziehung ist abgeschlossen. Ellie weiss nun, dass der Hase nicht läuft, sondern hüpft.


Da sie nun langsamer unterwegs ist, habe auch ich mehr Zeit, mir meine Umwelt anzuschauen, bewusst die frische (Wald-)luft einzuatmen und unsere wunderbare Natur und Landschaften zu geniessen. Ich kann mich auf eine Bank hinsetzen, die Aussicht geniessen, während mein Hund bei mir ist und diese Zeit mit mir verbringt, anstatt wie früher alleine „herum zu guseln“. Wir geniessen einfach unsere gemeinsame Zeit und leben für diese Zeit im Hier und Jetzt. Je älter meine Hündin wird, desto anhänglicher wird sie. Ellie war schon immer sehr aufmerksam beim Spazieren, entfernte sich nie weit weg von mir und orientierte sich immer an mir. Trotzdem war ihre Distanz zu mir in jungen Jahren deutlich grösser. Jetzt sucht sie viel öfters meine Nähe, läuft gerne auch Mal nur neben mir her. Sie liegt immer und überall zu meinen Füssen. Egal ob ich am Kochen bin, am Schreibtisch sitze, mit meinem Sohn ein Bilderbuch anschaue oder am Fernsehschauen bin: mein Hund ist immer in unmittelbarer Nähe.


Früher, wenn ich mit dem Bürostuhl etwas nach hinten rollte um aufzustehen, war Ellie sofort auf den Beinen und bereit, mir zu folgen. Heute dauert das viel länger. Ältere Hunde brauchen länger, um aufzuwachen und sich zu orientieren. Stehe ich nun auf, um in den unteren Stock zu gehen, bleibt sie noch ein Weilchen liegen. Sie öffnet die Augen nur langsam, schaut sich zuerst ein wenig um und folgt mir erst dann nach unten. Wenn am Morgen der Wecker läutet, steht sie nicht bereits neben dem Bett, bevor ich den Wecker abgeschaltet habe. Bis sie bei mir ist, kann es durchaus ein paar Minuten dauern. Manchmal kommt sie mir sogar erst entgegen, wenn ich bereits nach unten gegangen bin und auf dem Weg in die Küche bin. Auch beim Spazieren muss nun mehr Zeit eingeplant werden. Ein alter Hund braucht länger, um seine Umwelt zu erkunden, schnüffelt länger an Ort und Stelle und ist generell etwas langsamer unterwegs. Verlassen wir das Haus gleich, nachdem Ellie tief und fest geschlafen hat, trottet sie nur langsam hinter mir her. Für mich ein Zeichen, dass ich sie zu wenig lange habe wach werden lassen. Das bedeutet einerseits, dass ich mein Tempo etwas zurückschrauben muss und anderseits, dass ich Ellie das nächste Mal etwas mehr Zeit geben muss, um richtig wach zu werden, ehe wir das Haus verlassen. Auch die Umorientierung dauert etwas länger. Wenn ich sie rufe, dauert es nun länger, bis sie sich Umrichtet um zurück zu kommen. Generell kann man sagen, dass man mit einem alten Hund bei sehr Vielem mehr Zeit einplanen muss und geduldiger sein muss. Und genau das tut uns Menschen gut: Sich selbst mehr Zeit zu nehmen und alles etwas gemütlicher anzugehen.


Ein älterer Hund braucht mehr Zeit, Verständnis und Geduld unsererseits. Doch auch wenn er kein junger Hüpfer mehr ist, möchte er trotzdem noch dabei sein (mit wenigen Ausnahmen). Er möchte nach wie vor raus gehen, die Umwelt erkunden, für ihn geeignete Sozialkontakte haben, beschäftigt werden… und vor Allem möchte er geliebt werden.

Natürlich werde ich zwischendurch, wenn ich sehe, dass sie bereits nach ein paar Minuten Spielen mit ihrem Hundekumpel müde ist, oder nicht mehr so ausdauernd rumspringt wie früher, etwas traurig. Denn das ist eben das Zeichen, dass sie alt geworden ist und sie doch einiges mehr als die Hälfte ihres Lebens bereits hinter sich hat. Auch wenn ich den Gedanken, dass ich mich eines Tages von meiner geliebten Ellie werde verabschieden müssen, fast nicht ertragen kann, weiss ich, dass dies unvermeidbar ist. Deshalb versuche ich, jeden Tag, den ich mit meinem Hund verbringen darf, bewusst zu geniessen, ihn auch mal zu verwöhnen. Ja, mein Hund bekommt zwischendurch auch Mal ein Leckerchen nur fürs „süss reinschauen“. Ich nehme mir auf unseren Spaziergängen bewusst viel Zeit, um sie schnüffeln zu lassen. Ich möchte nicht eines Tages bereuen, dass ich sie nicht mit Leckerchen und leckeren Sachen (mit Mass!!) verwöhnt habe. Ich möchte nicht eines Tages, wenn Ellie nicht mehr da ist, aufwachen und denken, dass ich mir hätte mehr Zeit nehmen müssen und dass ich ihre Bedürfnisse nach schnüffeln nicht ausreichend habe ausleben lassen, weil ich immer in Eile war. Ich möchte eines Tages auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicken und wissen, dass ich alles Mögliche getan habe, damit Ellie ein schönes und erfülltes Leben hatte und auch einfach Mal Hund sein durfte.


Mein Rat an euch: Egal wie alt oder jung euer Hund ist: Nehmt euch Zeit für euren Hund, verwöhnt ihn mit Zuwendung, Liebe und auch Mal mit einem „Gratisleckerchen“. Muss der Hund wirklich für jedes einzelne Leckerchen irgendetwas vorher tun, um es zu bekommen? Oder darf der Hund auch 1-2 Leckerchen pro Tag haben, einfach so, weil es schön ist, dass er da ist? Spielt es wirklich eine so grosse Rolle, wie weit man beim Spazieren gekommen ist oder wie lange man für eine Strecke gebraucht hat? Nehmt Tempo raus beim Spazieren, lasst eure Hunde Hunde sein und viel schnüffeln und ihre Umwelt erkunden. Nutzt die Zeit aus, um auch selbst mal durchzuatmen und die Schönheit der Natur zu bewundern. Das kann euch nur zu Gute kommen. Zieht und zerrt nicht ständig an eurem Hund, weil ihr vorwärts kommen möchtet. Kann euer Hund seine Bedürfnisse nach Schnüffeln und Umwelterkunden stillen, habt ihr einen glücklichen und zugleich auch müderen Hund nach dem Spaziergang.


Geniesst die gemeinsame Zeit mit eurem Hund, seid dankbar, dass ihr eure wertvolle Zeit mit einem so tollen Wesen verbringen dürft und erfreut euch an den kleinen Dingen im Leben - genauso, wie es auch unsere Hunde tun.



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